Kingdom center bei Nacht

Wenn Visionen teuer werden

Saudi-Arabien sucht Cash für den Mega-Umbau

Foto: Redaktion

Saudi-Arabien will seine Zukunft bauen — am liebsten gestern. Doch die Megaprojekte fressen Kapital schneller, als das Königreich Öl fördern kann. Die Lösung? Anleihen, Kredite und ein Finanzminister, der den Turbo-Flex-Modus aktiviert. Willkommen im Hochglanz-Umbau unter Cashflow-Notlage.

Brille

Saudi-Arabien jongliert gerade mit so vielen Billionen, dass man sich fragt, ob Excel dafür überhaupt eine Spalte vorgesehen hat. Citigroup, Goldman Sachs und BNP Paribas übernehmen den Verkauf frischer Staatsanleihen — Laufzeiten drei, sechs, zehn Jahre. Ziel: ein fettes 21-Milliarden-Euro-Loch im Haushalt stopfen, das sich bis Ende 2024 auftut.

Der Staat braucht die Kohle dringend, um seine gigantische Transformations-Agenda weiter durchzuziehen. Vision 2030 ist schließlich nicht einfach ein Reformprojekt, sondern eher ein Monster in IMAX 3D. Und das ist nicht mal die erste Runde: Bereits im Januar gingen Staatsanleihen über 12 Milliarden Euro raus. Jetzt soll nachgelegt werden. Nicht nur vom Staat selbst, sondern auch von NEOM, dem hyperambitionierten Zukunftsgebiet in der saudischen Walachei, das bisher hauptsächlich durch seine Renderings glänzt. Es ist die teuerste Ideenwelt der Erde, jetzt plant man dort eigene Anleihen.

Das Neom-Projekt ist flächenmäßig so groß wie Mecklenburg-Vorpommern — und finanziell bodenlos. 1,5 Billionen Euro stehen als geschätzter Kapitalbedarf im Raum. Lieferanten berichten: Die Neom-Entwicklungsgesellschaft braucht inzwischen ein halbes Jahr, um Rechnungen zu zahlen. Für ein Projekt, das bald fliegende Taxis versprochen hat, klingt das eher wie ein Treppenlift-Moment.

Der Umbau läuft…und geht so richtig ins Geld

Saudi-Arabien transformiert Wirtschaft und Gesellschaft im Speedrun. Neue Jobs, neue Industrien, neue Hoffnung. Und ein bisschen Fußball-Glitzer, um die Welt zu beeindrucken: Ronaldo, Benzema, Neymar — alles Teil der großen Soft-Power-Offensive. Das Problem: Alle diese Moves kosten Geld, und die Ölpreise sind im Mood: „Heute eher low energy.“ Dazu steigt alles, was man in eine Baukostenliste tippen kann (okay, unkalkulierte Preissteigerungen am Bau wundern nur Experten, Laien wissen das vorher). Wie auch immer, das Königreich startet nicht nur neue Anleihen, sondern greift auch zu frischen Krediten. Das Wall Street Journal berichtet, dass der Public Investment Fund (PIF) weitere 270 Milliarden Euro auftreiben muss, um Vision 2030 am Laufen zu halten.

Ausländische Investitionen sollten eigentlich die Lösung sein. Die Realität: Die Investoren kommen… eher nicht. Jedenfalls nicht in der Menge und Geschwindigkeit, die man bräuchte.

Mohammed Al Jadaan

Aktuelle Herausforderungen machen Anpassungen bei einigen Aspekten des Plans „Vision 2030“ erforderlich. Wenn es nötig ist, werden wir den Kurs ändern und neu anpassen

Finanzminister Mohammed Al-Jadaan zeigt sich beim Weltwirtschaftsforum in Riyadh 2024 ungewohnt deutlich: Manche Projekte werden „kalibriert“. Manche gebremst. Manche beschleunigt. Kurz gesagt: Der Staat drückt F5 und schaut, was noch läuft. Und vielleicht — munkelt man — ist sogar Premierminister Mohammed bin Salman offen dafür, die ganz großen Visionen ein bisschen zusammen zu stauchen. Eine Art Reality-Mode für die Zukunftsarchitektur.

Megastadt TheLine: Wenn eine Baugrube irgendwann langweilig wird

Seit ein paar Jahren wird eine 170 Kilometer lange Schneise ausgehoben, in der THE LINE entstehen soll. Hier soll ein total neues Konzept für das Leben der Menschheit in der Zukunft Wirklichkeit werden – vernetzt und ohne Verkehr, digitalisiert und autark und nachhaltig wie ein Raumschiff. Aber – Wilkommen in der Gegenwart – irgendwann ist ein Loch eben… ein Loch. Der Anfangshype ist durch, die Geduld vieler Investoren auch. Wie supportiv ist die legendär-saudische „Wir-sagen-euch-nix“-Kommunikationspolitik, wenn man Geld einsammeln will? Spoiler: Die begeistert genau niemanden, der Milliarden überweisen soll. Offiziell betont Saudi-Arabien: Alles im Plan. Alles stabil. Alles auf Kurs. Und schiebt noch schnell einen teuren Werbespot in die Welt. Dem man ansieht, dass sich hier ein Rudel Reklame-Kreativer mit schwarzer Brille in London oder New York zum Gegenwert einer fetten Motoryacht mal wieder am neuesten Renderprogramm ausprobiert hat. Inoffiziell denkt sich die Welt: „Klingt eher wie PR-Lippenstift auf einem Baustellenbericht.“ Denn wenn ein Mega-Projekt wirklich läuft, muss man nicht ständig sagen, dass es läuft.

Das Fazit von #SaudiMag: Mission 2030 vs. Realität, das ist Geld rein, Megaprojekte runtergedimmt

Saudi-Arabien ist ein Staat, der gleichzeitig baut, investiert, umschuldet, justiert und amateurhaft kommuniziert — selten gut, gelegentlich wild, oft unglaubwürdig. Und es gibt ein Transformationsprojekt, dessen Vision mitreißend und im globalen Maßstab einzigartig ist, aber auch finanziell langsam die Luft anhält. Safe: Wir beobachten weiter. Mit Popcorn und einer guten Portion Skepsis. Aber immer mit ebenso viel Wohlwollen. Denn: Visionen bringen uns alle weiter #

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