Fotos: Saudisches Presseamt
Wenn Ökonomen heute über Wachstum sprechen, schauen sie nicht mehr auf Nationalflaggen. Sie zoomen rein. Auf Städte und Metropolregionen, auf die urbanen Maschinenräume. Denn es sind solche Regionen, in denen Talente, Kapital, Ideen und Ambitionen zusammentreffen. Prognosen stützen dies: Rund 85 Prozent der Weltwirtschaft wird mittelfristig in Metropolen gemacht. Die Zukunft des globalen Wohlstands hat eine Skyline. Saudi-Arabien hat diese Rechnung verstanden – und setzt alles auf Riyadh.
Die saudische Hauptstadt ist längst mehr als politisches Zentrum. Rund 50 Prozent der nicht-ölbasierten Wirtschaft des Königreichs entstehen hier. Und das effizient: Arbeitsplätze lassen sich in Riyadh rund 30 Prozent günstiger schaffen als in anderen saudischen Städten, vor allem günstiger als in den großen Entwicklungsregionen wie etwa Neom. Bis 2025 war die dortige Provinzhauptstadt Tabuk vollkommen überfordert vom Ansturm der neuen Mitarbeiter:innen, die aus der ganzen Welt herein kamen, um an den Giga-Projekten in der Nähe zu arbeiten. Die Preise stiegen rasant, das machte auch Arbeitsplätze teuer. Im Gegensatz dazu die Hauptstadt. In Riyadh gibt es bereits alle urbanen Strukturen, hier trifft Produktivität auf Skalierung, viele Planungen auch entlegener Projekte entstehen hier – die staubige Metropole ist ein urbaner Sweet Spot.
Doch der eigentliche Plan ist noch viel größer. Innerhalb der nächsten 15 Jahre soll Riyadh zu einer der zehn größten städtischen Volkswirtschaften der Welt aufsteigen. Heute (2025) rangiert die Stadt um den Platz 25 herum – je nach Rechenmodel. Morgen will sie in die Top League. Dafür soll die Bevölkerung von aktuell rund 7,5 Millionen auf bis zu 20 Millionen Menschen wachsen. Eine Verdopplung – aber bitte mit Lebensqualität.
Und genau hier wird es spannend.
Denn während andere Megastädte unter Hitze, Smog und Beton ersticken, setzt Riyadh auf ein Gegenmodell: Urbanes Wachstum mit grünem Herzschlag. „Green Riyadh“ heißt das Programm, das Millionen von Bäumen in die Stadt bringt und Staub binden soll – Es ist eine Idee, die Wüstenurbanität neu denkt. Bis 2030 soll der Grünanteil der Stadt von 1,5 auf über 9 Prozent steigen. 541 Quadratkilometer Grün. In einer Region, die jahrzehntelang für das Gegenteil stand.


2019 gab der aktuelle König Salman den Startschuss für vier gigantische Wohlstandsprojekte. Sie sind das urbane Fundament einer neuen Identität: King Salman Park, Sports Boulevard, Green Riyadh und Riyadh Art. Vier Projekte, ein Ziel – Riyadh zu einer der lebenswertesten Metropolen der Welt zu machen. König Salman liegt die Hauptstadt am Herzen; mehr als 50 Jahre ist er der Metropole als Planer, Entwickler, Governeur verbunden. Er kennt die Stadt wie kein anderer sagt man ihm nach, er hat die Stadt wachsen gesehen und ihr Entstehen persönlich geprägt. Der King Salman Park ist deshalb auch ein Statement des Königs. Mehr als 13 Quadratkilometer wird er sein – größer als jeder andere Stadtpark weltweit. Auf dem Gelände des alten Flughafens entsteht eine urbane Oase mit Museen, Theatern, Kinos, Sportanlagen, Restaurants, Wasserspielen, einem 18-Loch-Golfplatz und einem königlichen Kunstkomplex. Dazu ikonische Wahrzeichen wie die Riyadh-Brunnen und ein vertikaler Garten, der eher nach Zukunft als nach Wüste aussieht.
Parallel zieht sich der Sports Boulevard wie eine grüne Ader durch die Stadt: 135 Kilometer Rad- und Bewegungsraum, durch Stadtviertel und Wadis, der erste seiner Art in der Region. Bewegung wird hier nicht add-on, sondern Infrastruktur.
Und dann ist da Riyadh Art. Kein Beiwerk, kein Prestigeprojekt – sondern die weltweit größte staatliche Einzelinvestition in öffentliche Kunst. 1.000 Kunstwerke, zehn kuratierte Programme, ein jährliches Kunstfestival. Die Stadt wird zur „Galerie ohne Wände“. Kunst nicht im Museum, sondern im Alltag. Zwischen Büro und Café. Zwischen Parkbank und Plaza. Herzstück des Projekts: eine ikonische Installation, die sich anschickt, eines der neuen Wahrzeichen Riyadhs zu werden.
Die Frage ist also nicht mehr, ob Riyadh eine globale Metropole werden kann. Sondern wie schnell. Die saudische Hauptstadt baut nicht nur höher, größer oder teurer. Sie baut strategisch. Mit internationalem Mindset. Mit urbaner Soft Power. Und mit dem klaren Anspruch, im Konzert der Weltstädte nicht nur mitzuspielen – sondern den Takt mitzubestimmen.
Top-10? Ambitioniert. Aber in Riyadh war Understatement noch nie Teil des Plans #