Foto: Sameer Orabi/The Other Side of the Sun
Berlin im Februar ist grau, kühl und geschäftig. Vor den Kinos am Potsdamer Platz stehen Filmschaffende mit hochgeschlagenen Kragen, Produzenten eilen von Termin zu Termin, Kameras blitzen. Und mittendrin: Saudi-Arabien, präsenter als je zuvor, auch wenn die Beiträge nicht immer auf den ersten Blick als „saudisch“ zu erkennen sind.
Denn 2026 reist das Königreich nicht mit einem einzelnen nationalen Prestigeprojekt an, sondern mit einer Reihe internationaler Koproduktionen, die von saudischer Seite maßgeblich unterstützt wurden. Vor allem die Red Sea Film Foundation hat mehrere dieser Filme gefördert, und damit den Weg auf eine der wichtigsten Festivalbühnen der Welt geebnet.
Im Wettbewerb: Drei Filme mit saudischer Handschrift
Gleich drei Produktionen mit saudischer Beteiligung laufen im offiziellen Wettbewerb der Berlinale und konkurrieren um den Goldenen Bären. Darunter „We Are All Strangers“ von Anthony Chen – ein fein beobachtetes Drama über Familie, Erwartungen und emotionale Distanz. Der Film arbeitet mit einem internationalen Cast und erzählt eine universelle Geschichte über Nähe und Fremdheit.
Ebenfalls im Wettbewerb: „Soumsoum, The Night of the Stars“ von Mahamat-Saleh Haroun. Im Zentrum steht eine junge Frau, deren besondere Gabe zwischen Aberglauben, Spiritualität und gesellschaftlichem Druck verhandelt wird. Ein poetischer Film, der Fragen nach Tradition und Selbstbestimmung stellt. Mit „Salvation“ („Kurtuluş“) von Emin Alper feiert eine weitere saudisch mitfinanzierte Koproduktion ihre Weltpremiere in Berlin. Das Drama spielt in einer abgeschiedenen Gemeinschaft und zeichnet ein intensives Bild familiärer Spannungen und sozialer Bruchlinien.
Es sind keine rein saudischen Stoffe im klassischen Sinn, aber Filme, die ohne saudische Förderung so nicht entstanden wären. Genau hier zeigt sich die neue Strategie des Landes: internationale Partnerschaften statt isolierter Produktionen.
Panorama und Generation: Saudi-Arabien jenseits des Rampenlichts
Auch außerhalb des Wettbewerbs ist Saudi-Arabien vertreten.
Im Panorama-Programm läuft der Dokumentarfilm „The Other Side of the Sun“, eine Koproduktion mit saudischer Beteiligung, die sich mit Erinnerung und Identität auseinandersetzt. In der Sektion Generation wird „Ghost School“ gezeigt: ein Film über junge Menschen und gesellschaftliche Grenzen, entstanden als Zusammenarbeit zwischen Pakistan, Deutschland und Saudi-Arabien. Diese Filme stehen vielleicht weniger im Fokus der internationalen Presse, doch sie unterstreichen die Bandbreite der saudischen Beteiligung: vom poetischen Autorenkino bis hin zu gesellschaftlich engagierten Stoffen.
Und die saudischen Schauspieler und Schauspielerinnen?
Auffällig ist: Die meisten Beiträge sind internationale Koproduktionen mit gemischten Ensembles. Saudische Schauspielerinnen und Schauspieler stehen in diesem Jahr weniger im Zentrum der Berlinale-Bühne, zumindest nicht in Hauptrollen im Wettbewerb. Gleichzeitig wächst eine neue Generation saudischer Darstellerinnen heran, die in regionalen und internationalen Projekten zunehmend sichtbar wird. Namen wie Lamar Faden oder Raghad Bokhari stehen beispielhaft für diese Entwicklung, auch wenn ihre aktuellen Projekte nicht direkt im Berlinale-Programm vertreten sind. Die Dynamik ist da, und sie wird spürbar.
Mehr als Filme: Eine Branche auf Netzwerkmission
Parallel zu den Premieren ist Saudi-Arabien stark auf dem European Film Market präsent. Produzenten, Vertreter der Film Commission und Förderinstitutionen führen Gespräche, suchen Koproduktionspartner und präsentieren kommende Projekte.cDie Botschaft ist klar: Saudi-Arabien will nicht nur teilnehmen, es will mitgestalten.cSeit der Wiedereröffnung der Kinos im Jahr 2018 hat sich die Filmbranche des Landes rasant entwickelt. Festivals wie die Berlinale dienen nun als internationales Schaufenster. Der Auftritt 2026 wirkt dabei weniger spektakulär als strategisch: kein lauter Paukenschlag, sondern ein selbstbewusstes Mitmischen.
Ob eines Tages ein Bär nach Riad geht, wird die Zukunft zeigen. Schon jetzt aber ist klar: Saudi-Arabien ist auf der Berlinale nicht länger Randfigur, sondern Mitspieler #