PIF kürzt, Weltbank jubelt:

Willkommen in der saudischen Achterbahn-Ökonomie
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Saudi-Arabien liefert wieder einmal die beste Reality-Show des globalen Finanzsystems: Während der mächtige Staatsfonds PIF mitten in Vision-2030-Projekten die Investitionsbremse zieht, feiert die Weltbank das Land mit glänzenden Wachstumszahlen. Ein Mix aus Euphorie, Fragezeichen und einem sehr lauten „Stay tuned“.

Brille

In Saudi-Arabien kann ein Montagmorgen ungefähr so aussehen: Der Public Investment Fund (PIF) lässt verlauten, dass einige Vision-2030-Investments „angepasst“ werden müssen – was im Riyadh-Sprech in etwa heißt: Wir machen das Projekt später, kleiner oder gar nicht. Und kaum hat man den Kaffee abgestellt, kommt aus Washington ein völlig anderer Sound: Die Weltbank verkündet, dass die saudische Wirtschaft in der ersten Hälfte 2025 um fette 3,9 Prozent gewachsen ist.

Wachstum trifft Watschn: Saudi-Arabien zwischen Invest-High und Reality-Check

Saudi-Arabien liefert wieder diese typische Mischung aus High-Speed-Wachstum und nervigem Bauchgefühl. Während der mächtige PIF seine Milliarden kurz mal neu sortiert und festhält, melden Weltbank & Co. strahlende Wachstumszahlen. Ein Wirtschaftsbild zwischen Euphorie, Eyebrow Raise und Excel-Gymnastik. Also, willkommen in der ökonomischen Doppelhelix des Königreichs, in der Boom und Bauchweh gern gleichzeitig auftreten – denn für Analysten liegen im saudischen Königreich Euphorie und leichte Schnappatmung traditionell nah beieinander.

Laut der Weltbank gab es 2025 zwei Turbo-Booster: mehr Ölproduktion und ein Dienstleistungssektor, der gerade in die Brustmuskeln investiert. Für das Gesamtjahr sieht man 3,2 Prozent Wachstum, statt der zuvor erwarteten 2,8 Prozent. Für 2026 stehen 4,3 Prozent im Forecast, für 2027 4,4 Prozent. Die Inflation bleibt derweil bei rund 2,2 bis 2,3 Prozent – ein Wert, der in der Region ziemlich stabil wirkt.

IMF, OECD & Co.: Zustimmung von der ganzen Finance-Crew

Der neue Ausblick passt auch zu den Prognosen der anderen globalen Wirtschaftsorakel. Der IWF sieht dieses Jahr 3,6 Prozent Wachstum und 2026 3,9 Prozent, während die OECD ihre 2026-Schätzung frisch auf 3,9 Prozent hochgejubelt hat. Wenn alle drei gleichzeitig nicken, ist das entweder ein gutes Zeichen oder ein koordinierter Power Move. Vermutlich Ersteres.

In ihrem Report formuliert die Weltbank die Lage ziemlich eindeutig: Das reale BIP wächst ordentlich, der Nicht-Öl-Sektor performt erstaunlich stark – gerade Dienstleistungen schieben das Wachstum so, wie ein guter Barista den Tamper. Und weil Saudi-Arabien seine Ölförderkürzungen Schritt für Schritt zurücknimmt, läuft auch diese Seite der Wirtschaft wieder unüberhörbar warm.

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Auch der GCC-Block zündet den Turbo. Die Weltbank sieht 3,5 Prozent Wachstum für 2025 und danach stetig steigende Werte von 4,4 und 4,7 Prozent. Der Mix: weniger freiwillige Ölrestriktionen, mehr Schwung in den nicht-ölbasierten Industrien – und eine Region, die generell gerade ihren „Wir diversifizieren uns jetzt mal ernsthaft“-Moment hat.

Natürlich fällt im Golf auch immer wieder das Zauberwort Tourismus. Das saudische Summer-Programm hat 2025 ganze 32 Millionen Gäste angezogen – ein Plus von 26 Prozent. Die Ausgaben: 14 Milliarden Euro, ebenfalls klar über Vorjahr. Eine kleine Randnotiz: Die DACH-Region, sonst die Kings & Queens des Kofferpackens, stellt gerade einmal 5 Prozent der Touris, da ist Luft nach oben.

Im gesellschaftlichen Bereich setzt die Weltbank auf ein klassisches Erfolgsrezept: mehr Frauen in die Arbeitswelt, mehr Wachstum für alle. Und genau da spielt Saudi-Arabien überraschend weit vorne. Seit 2017 ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen um fast 14 Prozentpunkte hochgeschossen. Finanzminister Mohammed Al-Jadaan peilt für Ende des Jahrzehnts 40 Prozent Beteiligung an – das ursprüngliche Vision-2030-Ziel von 30 Prozent wurde längst überboten. Für ein Land, das vor ein paar Jahren noch ganz andere Realitäten kannte, ist das ein Wandel im Fast-Forward-Modus.

Fazit von #SaudiMag: Wachstum, Try & Error und ein paar Nervenzusammenbrüche: Im Königreich ist alles as usual

Auch wenn der PIF gerade minimal auf die Bremse tritt, wirken die Makrodaten wie ein stabiler Rückenwind. Das Königreich bleibt also ein Land, das selten leise, aber oft überraschend performt. Ein Wirtschaftsbiest, das gleichzeitig sprintet und stolpert – und genau deshalb niemanden kaltlässt #

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